Efraem und die Heiligen (Leseprobe)

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Arbeitstitel:       Efraem und die Heiligen

Vorwort

Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Heiligen, dem Heiligen, nach dem man Sie getauft hat? Sie heißen Maria oder Irinie, Emmanuel oder Spiridon, Jacob oder Johannes? Oder ist es doch ein seltenerer Taufname, ein nicht so sehr bekannter Heiliger? Haben Sie eine wirkliche Beziehung zu Ihm oder heißen Sie halt so und haben sich nie weiter Gedanken gemacht? Was denn für Gedanken? Diese Frage ist berechtigt. Ich möchte versuchen, interessierten Lesern einige Heiligengeschichten näher zu bringen. Dabei werde ich einen neuen Weg gehen. Einige mir bekannte Glaubensbrüder haben mir gestattet, über Sie und Ihre Heiligen eine kleine Geschichte zu schreiben, welche es dem Leser möglich macht, den Heiligen näher kennen zu lernen, Ihn als Mensch mit einem bestimmten Schicksal zu erleben. Ich schreibe um mit Ihnen als Lesern nahe beim Heiligen zu sein und den Grund besser zu verstehen, warum man Ihn heiliggesprochen hat. Was liegt also näher als einige Menschen ein Stück weit zu begleiten und mit Ihnen nahe beim Heiligen zu sein.

Anmerkung, Auszug aus meinem Buch: Bodo und Efraem – meine Metamorphose

Die Gemeinde und Ihre Heiligen:

Die orthodoxe Kirche hat ein besonders inniges Verhältnis zu den Heiligen innerhalb des Leibes Christi. „Heiligenverehrung  bedeutet Selbstfindung des Christen in einem Verhältnis von Person zu Person, Erlebnis und Realisierung der Gemeinschaft innerhalb der Kirche in respektvoller Achtung und Annahme der Schwester und des Bruders, unabhängig von Zeit und Raum. Denn die Schwestern und die Brüder innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft bilden ein Ganzes, eine Einheit, die lebt und in einer immerwährenden Gegenwart existiert.“            Seite 96/ II

Betreten wir Orthodoxe also eine Orthodoxe Kapelle oder Kirche so sind wir nicht alleine, die versammelte Gemeinschaft der Heiligen ist mit uns. Die Kirche ist der Platz an dem der Alltag außen vor bleibt. Hier wenden wir uns Gott und der Gemeinschaft mit den versammelten Heiligen und unseren anwesenden Mitbrüdern zu. Aber merke: Wir küssen die Ikone mit dem Bildnis der Heiligen aus Verehrung zu den Heiligen aber wir beten Gott in seiner Dreifaltigkeit an.

In diesem Verständnis lade ich Sie ein, einige Mitbrüder zu besuchen und Ihre Heiligen besser kennen zu lernen.

Zum besseren Verständnis der jeweiligen geschichtlichen Situation findet sich im Anhang jeweils eine Erläuterung geordnet nach Buch und Kapitel.

Buch 1

Menschen aus meinem Leben und Ihre Heiligen

Kapitel 1

Agios Ephraim von Nea Makri

…ist mein Heiliger. Ich bin Efraem, griechisch orthodoxer Christ. Mein Wohnort ist Ragow bei Mittenwalde/Brandenburg. Ich wurde 1964 in Eisenach als „Kind der DDR“ geboren und war natürlich die meiste Zeit meines Lebens gefestigter Atheist. Meine Ehefrau ist Filareti. Sie ist 1966 in Merseburg geboren und Ihr werdet das Glück meines Lebens noch näher kennen lernen. 2013 wurden wir von Gott berührt, haben Ihn an unsere Türe klopfen hören und haben Ihn eingelassen. Seit 2014 sind wir griechisch orthodoxe Christen. Die genauen Umstände unserer Christwerdung sind ein Heilungswunder, bei welchem unsere Freundin Theodora durch die Gnade Gottes dem sicher geglaubten Tod entkam, zur Christin wurde und Ihren Weg zurück in Leben und zu Ihrer Bestimmung fand. Auch Sie werdet Ihr noch näher kennen lernen. Nachlesen kann man diese Geschichte in meinem Buch: Ephraim mein Weg zu Gott oder man läd‘  mich ein zu einer Lesung. Doch nun hört.

An einem schönen Sonntag im Mai…

Ich liege im Bett. Die Jalousie ist 2/3 geschlossen. Das Fenster ist angekippt. Die Sonne erhellt die untere Hälfte des weißen Kleiderschranks gegenüber. Die Vögel im Garten zwitschern. Ich kenne meine kleinen Freunde. Sie streiten über die Reste des Futters in den Vogelhäuschen und am Boden darunter. Das kann ich wohl hören. Sie sind gewohnt, dass ich in der Woche gegen 6 Uhr füttere. Sie kennen keinen Kalender und streiten nicht wissend, dass ich zwar später als sonst, aber doch gleich mit dem Futter kommen werde. Auch Pünktchen, unsere Katze, hat mitbekommen, dass ich jetzt wach bin und sitzt halb verschlafen, halb mahnend neben dem Bett und mautzt mich schnarrend an: Mieäää!! Will heißen: He Dosenöffner! Ich war lieb bis Jetzt aber nun komm mit und füttere mich! Ein klein wenig neidisch schaue ich nach links. Da liegt Filareti und schlummert noch. Doch jetzt da ich mich bewege wird sie wach und murmelt: Die warten alle auch noch ein wenig. Bleib doch liegen! Nein. Jetzt treibt es mich hoch. Die Tiere haben Hunger und Brötchen will ich auch noch holen ehe Filareti richtig wach ist. Schlafanzug aus und wie Gott mich schuf schlurfe ich in den Flur. Mein Pünktchen stolziert mit hoch erhobenem Schwanz voraus. Zufrieden, dass das Wecken erfolgreich war und wissend, dass Sie jetzt noch etwas Geduld aufbringen muss. Die Frische Wäsche werfe ich oben auf die Katzenhöhle aus Weide. Jetzt trete ich erst einmal zu unseren Heiligen, begrüße den heiligen Filaretos und dann Agios Efraem mit einem Kuss und bete so wie jeden Morgen:

Kirie Isou Xriste eleison imas! Herr Jesus Christus, erbarme dich unser!

Iperagia Theotoke sonson imas! Mutter Gottes beschütze uns!

Doxa ton Seo! Doxassie! Ehre sei Gott! Rum!

Ich bitte noch für die Lebenden und die Toten und auch für meine tierischen Freunde auf beiden Seiten.

Nun aber ins Bad, frisch machen für den Tag. Als ich aus dem Bad trete und mich noch im oberen Flur anziehe steht Pünktchen auf, die es sich noch einmal bequem gemacht hatte und läuft miezend die Treppe hinunter zur Küche. Ich versorge erst sie und dann gehe ich den Eimer mit Vogelfutter füllen. Ich öffne die Terassentür und meine gefiederten Freunde begeben sich alle in Warteposition…In immer wiederkehrender Reihenfolge mit genau der gleichen Menge an Futter fülle ich jede der 8 Futterstellen im Garten. Mahlzeit Freunde! Rufe ich Ihnen zu.

Ich schnappe mir Geldbörse, Jacke und Helm. Nun gehe ich zum Motorradschuppen…

Rolladen hoch. Guten Morgen Baby! Alarmanlage ausstellen, zurück schieben und unter dem Carport umdrehen, zwischendurch noch einmal Alarmanlage ausstellen…und nun ist es soweit: Ein Drücker auf den Starter und sie erwacht zum Leben! Musik in meinen Ohren! Peter & Petra haben direkt daneben ihr Schlafzimmer. Sorry wenn Ihr jetzt auch wach seid ebenso wie Filareti. Ich schwinge mich in den Sattel und ab geht es zum Bäcker. Als ich nach 25min zurück bin ist Filareti auch schon aufgestanden und hat begonnen den Tisch auf der Terrasse für das Frühstück zu decken…Frühstück im Garten, ich liebe es…. Mitten beim Essen frage ich Filareti, ob sie mich in die Kirche begleiten wird? Nein heute nicht! Schade finde ich. Aber es ist ihre Entscheidung. Pater Emmanuel und seine Mutter Irini werden Filareti vermissen und mich nach Ihr fragen…doch ich bin überzeugt, dass nicht unbedingt Derjenige der bessere Christ ist, der die meisten Stunden beim Gottesdienst verbringt. Wir waren uns immer einig, dass der Kirchenbesuch ein Bedürfnis sein muss und keine Verpflichtung. Ich fühle mich oft zur Kirche hingezogen, unabhängig vom Gottesdienstprogramm. Es ist mein Zuhause, mein Zuhause für die Seele. Hier bin ich Gott am Nächsten, Gott und der Gemeinschaft der Heiligen. Nach dem Frühstück ziehe ich mir ein weißes Oberhemd zur Bikerhose aus Leder an, schnappe mir Helm, Jacke & Handschuhe und gebe Filareti einen Kuss zum Abschied.

…ich werfe mein Baby, meine 2003er Heritage von Harley Davidson, 100 Jahre Jubiläumsmodell an. Auf geht es Richtung Kirche! Ich fahre auf die Autobahn auf und lehne mich im Geiste zurück. Die 38km bis zur Kirche sind Genuss am Motorradfahren aber auch Zeit für mancherlei Gedanken:

Wer jetzt denkt, dass sich Filareti einen netten Vormittag machen wird, der irrt. Sobald ich um die Ecke bin, wird sie Wäsche waschen, Bügeln und Einiges im Haushalt erledigen…wir sind die ganze Woche nie vor 17:30 Uhr zu Hause. Die Arbeit in Vollzeit und der Anfahrtsweg ín die Innenstadt von Berlin kosten halt Zeit, die für alltägliche Hausarbeit fehlt. Wir haben zwar eine Arbeitsteilung, doch ich muss zugeben, dass Filareti schlechter wegkommt als ich, wenn man alles in Summe sieht…Ich koche, kaufe ein, arbeite im Garten und kümmere mich um jeglichen Behördenkram aber in Summe hat mein Schatz mehr als ich zu tun. Also denke ich der Herr wird es ihr nachsehen, dass Sie nicht sooo oft in die Kirche mitkommt. Efraem du fauler Sack! Entschuldigung für den Ausdruck! Dann mach‘ doch einfach mal was im Haushalt mehr und dann habt ihr Zeit zusammen zum Gottesdienst zu fahren! Oh ja, Einspruch stattgegeben…Die Frage wäre, ob sie dann auch mitkommen würde, wenn mehr Zeit wäre? Wir haben beide eine unterschiedliche Beziehung zu unserem Glauben.

…ich fahre in die Mittelstraße ein. Die Türen der Griechisch Orthodoxen Kirche in Nummer 32 sind geschlossen, die Liturgie hat schon begonnen. Ich rolle auf den Hof und stelle die Harley ab. Pater Emmanuel hat es mir gestattet, hier zu parken. Sonst hätte ich keine ruhige Minute aus Angst jemand vergreift sich an meinem Baby.

Die Kirche zu betreten ist so wie nach Hause zu kommen. Hier sind meine Mitbrüder und Mitschwestern, hier befinde ich mich in Gesellschaft der Heiligen. Dies ist der Ort, an welchem ich die Welt zurücklassen kann, Gott ganz nahe.

Ich begrüße die wichtigsten Ikonen küssend, bekreuzige mich je 3 Mal und zünde hernach je eine Kerze für die Lebenden und eine für meine Toten an. Leise murmle ich je eine Fürbitte für sie alle. Ich schaue mich um. Die Kirche ist gut gefüllt. Bis zu meinem Efraem komme ich jetzt nicht durch. Die Ikone des heiligen Ephraim von Nea Makri hängt an der linken Seitenwand. Zu viele Gläubige würde ich jetzt stören beim Versuch die Ikone küssen zu wollen. Aber ich habe Ihn ja heute am Morgen schon zu Hause begrüßt. Also bis später lieber Ephraim.

Ich begrüße leise einige Bekannte und gehe nach oben auf die Empore und finde dort auch einen Platz am Rand. Dort auf der linken Seite in der ersten Reihe sitze ich oft.

Pater Emmanuel hält die meisten Teile der Liturgie in Griechisch sodass ich auf meine deutsche Übersetzung angewiesen bin. Einige Gebete sind immer in Deutsch dabei. Das ist auch für mich und darüber freue ich mich. Die Zeit vergeht, wir sprechen das „Glaubensbekenntnis“. Ich habe es in Deutsch und Griechisch auf einem Kärtchen dabei. Heute spreche ich es in Deutsch. In meiner Muttersprache kann ich mich besser auf das Gebet konzentrieren. Feierlich ist es, wenn die ganze Gemeinde gemeinsam betet, genauso wie später beim „Vater Unser“. Auf die Kommunion verzichte ich heute und gehe erst nach unten, um mir das Antidoron, das gesegnete Stück Brot zu holen.

Die Liturgiefeier ist vorüber und die Kirche leert sich. Jetzt begrüße ich noch meinen Lieben Heiligen Ephraim von Nea Makri. Ich küsse die Ikone und bekreuzige mich 3 Mal. Da ich noch mit Pater Emmanuel sprechen möchte und er momentan stark von Anfragen vieler Gläubiger nach Taufen für Säuglinge und anderen Sachen beansprucht ist, muss ich warten. Nein ich will warten, um noch ein paar persönliche Worte mit Ihm zu wechseln. Er ist nicht nur der Pfarrer meiner Gemeinde, mein Beichtvater wenn ich es möchte, er ist auch ein guter Freund.

So sitze ich unter der Ikone meines Heiligen und meine Gedanken schweifen ab….es ist als wenn der Heilige Ephraim zu mir spricht:

„Es ist schön, dass Du mich begrüßt hast lieber Efraem. Aber du solltest mich auch wieder einmal besuchen kommen in Nea Makri.“

Ich schaue zu Ihm, zur Ikone, hoch, doch da ist keine Ikone. Ich schaue in den blauen Himmel. Um mich herum in die Hügellandschaft eingebettet ist ein Kloster in dessen Garten ich sitze. Es herrscht emsiges Treiben in den Gemüsebeten. Nur die Werkzeuge der Mönche wirken wie aus einer anderen Zeit. Ich bin nicht alleine auf dieser Bank im Schatten eines Feigenbaumes. Neben mir sitzt ein junger Mönch. Dieses Gesicht kenne ich doch! Ephraim! Es ist der heilige Ephraim! Ich bekomme keinen Ton heraus. Da spricht er mich freundlich an: „Lieber Efraem hab keine Angst. Du bist nicht verrückt geworden und bist auch nicht hier. Ich bin auch nicht wirklich hier. Aber ich dachte, wir treffen uns hier an diesem Ort, an dem mein Schicksal besiegelt wurde und der Dir so sehr am Herzen liegt. Wir schreiben heute den 13.05.1424. Wir sind hier im Kloster der Verkündigung am Berg Amomon nahe Plesti, ihr nennt es heute Nea Makri. Die Ruhe ist trügerisch. Die Türken ziehen mordend durch Griechenland und jederzeit können sie auch hier einfallen. Es sind Soldaten des muslimischen Sultans Bayazid I. Schon länger knechten sie unser Land. Viele meiner Gefährten haben sie in ihren Militärdienst gezwungen. Niemals hätte ich dies zugelassen und so bin ich, Konstantin Morphes, geboren am 14.09.1384 in Trikala, Tessalien, vor Jahren als ganz junger Mann hier ins Kloster gekommen und wurde Priestermönch. Aber wir dienen dem Herrn und lassen uns so leicht nicht vertreiben.“ Ich gewinne meine Sprache wieder und frage erstaunt und auch etwas verängstigt: „Lieber Heiliger Ephraim, Du willst mir sagen, Du bist tot? Warum sind wir dann hier?“ Er lächelt milde. „Ich will Dir meine Geschichte erzählen, nicht um mich zu beklagen, sondern um Dir zu zeigen, dass es wichtig ist, zu seinen Überzeugungen zu stehen und das, was man für richtig und wichtig hält, nicht Preis zu geben, sondern zu verteidigen. Das gilt besonders für seinen Glauben und sein Seelenheil.“ Er schaut mich an. „Ich bin heiliggesprochen?“ Sein Blick geht in die Ferne und sein Gesicht zeigt ein scheues aber doch stolzes Lächeln. „Ich bin einer von vielen, wie Du in der Katechese gelernt hast und in der Kirche immer wieder spürst. Aber da Du meinen Namen trägst, bin ich für Dich etwas Besonderes. Für mich war das nie ein Ziel. Obwohl wir Gläubige ja alle danach streben, vollkommene Christen zu werden. Doch nun zum Geschehen in diesen furchtbaren Tagen des Jahres 1424.“

Vor meinen Augen verschwimmt alles und als ich wieder klar sehen kann bin ich nicht mehr körperlich. Ich blicke aus einer leichten Vogelperspektive über das Klostergelände. Von weitem ist Lärm zu hören. Menschen schreien vor Schmerz. Fremdartiges Grölen ist dazwischen zu hören. Die Türken nahen mordend und brandschatzend aus Richtung Plesti, Nea Makri!

Wir befinden uns in einer Zeit, da nicht Griechenland als Nation gegen das osmanische Reich kämpft, vielmehr sind es die Republiken Genua und vor allem Venedig, die Ihren Einfluss in der Aegäis halten wollen. So verteidigt im Norden Venedig (die Republik Venedig) immer noch Thessaloniki gegen die Osmanen, die das Umland schon längst kontrollieren. Auch Konstantinopel als Hauptstadt des Byzanthinischen Reichs fällt erst 1453 und besiegelt damit das Ende des Byzantinischen Reichs. 146 v. Chr. Schon fiel Griechenland an das Römische Reich. Damit endete die politische Geschichte des unabhängigen Griechenlands für fast zwei Jahrtausende. Doch lebte die griechische Kultur im Rahmen des Römischen Reiches fort und prägte seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert zunehmend auch die römische Zivilisation. 330 n. Chr. verlegte Kaiser Konstantin seine Hauptresidenz nach Konstantinopel und legte damit den Grundstein für das oströmische Reich, das später als Byzantinisches Reich bekannt wurde. Byzanz transformierte das kulturelle Erbe Griechenlands und Roms in einen Träger für eine neue christliche Zivilisation. Das Byzantinische Reich fiel 1453 an die Osmanen. Die Griechen blieben fast 400 Jahre lang unter osmanischer Herrschaft. Während dieser Zeit bewahrten sie aber ihre Sprache, Religion und Identität, wobei zu beachten ist, dass sich die Griechen in dieser Zeit nicht etwa als Hellenen (dies war vielmehr die Bezeichnung für einen Heiden), sondern als Rhomäer (Byzantiner) verstanden.

In dieser Zeit waren Repressalien gegen die zivile griechische Bevölkerung zwar nicht an der Tagesordnung, aber doch nicht so selten. Junge Griechen, die in Osmanischen Militärdienst gezwungen wurden und damit auch zum Islam konvertieren mussten, wurden nicht selten zu fanatischen Gegnern Ihrer christlichen Mitbürger. Galt es zu Foltern und zu Verhören waren sie stets vorn dabei und natürlich waren Ihre Sprachkenntnisse gefragt.

Das Kloster ist nicht wie in Tessalien die Meteora Klöster für Eindringlinge geografisch exponiert auf einer Felsnase gelegen und damit sicher. Es ist auch nicht gleich einer Festung gebaut wie viele Klöster des Athos, des Agion Oros. Nein, nur ein Tor und die im Care stehenden Gebäude selbst schützen die Menschen vor dem sofortigen Zugriff. Die Osmanen verflogen ein klares Ziel. Heute wollen sie den in Ihren Augen Ungläubigen Mönchen den Gar ausmachen. Schon lange war Ihnen das Kloster der Verkündigung ein Dorn im Auge! Schnell stehen erste Gebäude in Flammen, die Mönche, die nicht wehrhaft sind, ziehen sich in die Kirche zum Gebet zurück. Nicht lange hält das Tor dem Ansturm stand. Als es bricht, beginnt das furchtbare Gemetzel, dem niemand entkommt. Aber nicht nur die Menschen sind Ziel des Angriffs. Die Kirche mit den Ikonen der Heiligen, alle Schriften und jegliche christliche Ausstattung des Klosters fallen der Zerstörung anheim. Diesmal sind keine zum Dienst gedungenen Einheimischen unter den Angreifern und so wird jeder, dem man habhaft wird ermordet. Als es Nacht wird erleuchten immer noch die Feuer der Gebäude das Geschehen. Ein übler Geruch aus Rauch und Blut liegt über dem schwer beschädigten Kloster. In der brennenden Kirche liegen viele tote Mönche. Auch auf dem Hof und im Garten hat   man die Leichen einfach liegen gelassen und sich für die Nacht in den noch stehenden Gebäudeteilen eingenistet. Mein Gott wo warst Du an diesem Tag als Satan sein Werk hier vollbrachte? Nein anders. Den im Gebet gestorben tapferen Mönchen haben die Osmanen zwar das Leben genommen, ihrer Seelen konnte Satan aber nicht habhaft werden! Ungebeugt starben sie für Ihren Glauben. Mein Blick schweift umher. Wie können Menschen sich nur so ein Leid gegenseitig antun? Doch wo ich auch suche, Ephraim kann ich nicht entdecken?

Neben mir erklingt die mir wohl bekannte Stimme: „Nein Efraem. Ich bin nicht unter den Toten, als dies hier geschah, weilte ich in einiger Entfernung, da ich immer wieder die Einsamkeit suchte, um Gott ganz nahe sein zu können. Diese verschärfte Askese war immer mein Weg zu Gott. Von Weitem konnte ich die Rauchsäulen über dem Kloster sehen. Doch mir blieb nur das Gebet für das Seelenheil meiner Brüder.“ Ich fasste einen Entschluss. Nach einiger Zeit, die Osmanischen Schergen waren wieder abgezogen, begab ich mich zum Kloster um zu sehen, was nach dem Angriff noch vom Kloster der Verkündigung übrig ist. Schwer waren die Zerstörungen. Gemeinsam mit einigen Bewohnern von Plesti haben wir zuerst die sterblichen Überreste meiner Gebrüder beigesetzt. Nach einer Zeit des gedenkenden Gebetes begann ich mit dem Wiederaufbau. Die Osmanen sollten nicht die Oberhand behalten. Dies ist Gott geweihter Boden und ich würde das Kloster wieder zum Leben erwecken! War das gebt in der Einsiedelei der eine Teil meines Mönchseins, meines Dienstes und meines Lebens für Gott, so war dieser Wiederaufbau mein neuer Auftrag. Die ganze Zeit bis zum Beginn des Septembers 1425 kamen wir gut voran, einige neue Mitbrüder hatten sich eingefunden und auch aus dem Ort gab es Unterstützung. Es war recht ruhig in unserer Gegend. Wir hatten Ostern und auch Pfingsten begangen und nun stand das Fest der Kreuzerhöhung an. Am Vorabend des 14. September 1425 wurde nahe der Stavros Kapelle das Festmahl bereitet. Wie üblich war die Jugend des Ortes an der Zubereitung beteiligt, beaufsichtigt von einem in der Küche erfahrenen Mitbruder. Wir würden natürlich an der Zeremonie natürlich teilnehmen. Aber sieh‘ selbst, was dann geschah:“

Mein Blick schweift wieder über das Klostergelände…

Es ist 8:00 Uhr, 14. September 1425. Ephraim kommt mit seinen Brüdern nach dem morgendlichen Gottesdienst aus der Kirche um zum Essen zugehen… Plötzlich sprengen Reiter auf den Hof. Glänzende Klingen in Ihren Händen spiegeln das Sonnenlicht. Schnell ist die kleine Schar von Mönchen umzingelt. Auf Griechisch werden sie angerufen.  Wer denn hier das Sagen hätte? Ruhig und mutig tritt Ephraim vor. Bereit, jetzt und hier von den Osmanischen Schergen für seinen Glauben erschlagen zu werden. Doch Sekunden später sausen die krummen osmanischen Säbel auf die dahinterstehenden Mitbrüder nieder. Ephraim wird gebunden und in Gefangenschaft genommen. Sein Martyrium hatte begonnen.

Es ging den Osmanen nicht darum Informationen durch Folter zu erhalten. Vielmehr wollten sie, dass es sich herumspricht, was mit denen passiert, die weiter an Tradition und vor Allem am christlichen Glauben festhalten und sich dann noch erlauben, den herrschenden Osmanen die Stirn zu bieten und ein geschliffenes Kloster wiederaufzubauen. Aus diesem Grunde wurde Ephraim über eine lange Zeit gepeinigt und man hielt dies auch keinesfalls geheim. Man folterte Ihn, der standhaft zu seinem Glauben stand, über eine lange Zeit auf alle erdenkliche Weise und achtete darauf, dass er gerade so am Leben blieb. Als ersichtlich wurde, dass Ephraim in naher Zukunft seinen vielen Wunden erliegen würde, gönnte man Ihm kein siechendes Ende.

Ich blicke in den Hof des Klosters der Verkündigung, über dem das Banner der Osmanen weht. In den ersten Tagen des Mai 1425 hängte man Ephraim kopfunter an einen Olivenbaum, wissend, dass er dies nicht lange überleben würde. Am Morgen des 5.Mai 1425 traten die osmanischen Schergen nach einem üppigen Frühstück aus Ihrer Behausung. Lachend umringten sie den geschundenen und gepeinigten Körper Ephraims. Mein Gott! Herr! Was tun sie meinem Ephraim da an! Aber es kam noch schlimmer. Mit kaltem Wasser und Schlägen brachten sie Ihn zur Besinnung. Hart bedrängten sie Ihn, seinem Glauben zu entsagen, dann würde man Ihm den Gnadenstoß kurz und schmerzlos geben. Dreckig lachten sie dazu! Ephraim verweigerte dies erneut wie schon so oft. Da hatte der Anführer der Osmanenschar genug. Er nahm einen zu Hälfte brennenden Holzscheit und ging auf Ephraim zu. Ephraim schloss kurz die Augen um sich Gott zu empfehlen und bat ein letztes Mal um Kraft um zu Widerstehen. Dann blickte er seinem Peiniger fest in die Augen. Nur kalter Haß blickte Ihm entgegen. Der Osmane stieß Ephraim den brennenden, spitzen Holzscheit in den Nabel. Kein Laut entwich Ephraim bis Ihm für immer die Sinne schwanden. Mir war es könne ich sehen wie seine Seele als heller Schleier in den Himmel stieg… Mir fehlt vor Erregung die Luft zum Atmen!! Der Herr möge Euch strafen für diese und alle anderen Untaten!!

Die Bilder verschwimmen wieder ich komme zu mir und kann wegen der Tränen in den Augen nichts sehen. Ich wische mir die Augen trocken und als ich mich umschaue ist Pater Emmanuel immer noch mit Paaren im Gespräch, welche Ihre Säuglinge zur Taufe anmelden wollen. Ich bin immer noch sehr erregt und leicht verwirrt und schaue kurz auf die Uhr. Es sind nur ein paar Minuten vergangen. Mir ist als wäre ich ewig weg gewesen. Ich bin tief bewegt und demütig vor dem, was mein Heiliger Ephraim auf sich nahm um seinen Glauben nicht zu verraten. Er hat sein Martyrium ertragen bis zum Ende. Es überläuft mich kalt beim Gedanken an all die Schicksale, welche sich in dieser Kirche versammeln. Liebe Heilige hier, ihr verdient jede Ehre, die man Euch zu Teil werden lässt! Doch zurück zum Jetzt. Es wird wohl noch lange dauern, bis Pater Emmanuel Zeit für ein Gespräch findet. Zu viele Leute warten noch… Ich beschließe zu gehen. Ich gehe nahe am Pater vorbei und rufe Ihm einen Abschiedsgruß zu, den er kurz erwidert. Draußen hole ich mir noch einen Kaffee und sinniere über das, was mir gerade widerfahren ist. Ich bin erfüllt von Dankbarkeit über die Nähe, die mir gerade zu meinem Heiligen Ephraim von Nea Makri zu Teil wurde. Darum ist die Kirche nicht nur wichtig, um Liturgien oder Vesper zu feiern, nein sie ist auch existenziell wichtig um der Gemeinschaft der Heiligen im Ganzen und seinem eigenen Heiligen nahe sein zu können. Nach dem Kaffee verabschiede ich mich rundum und schwinge mich wieder auf mein Motorrad. Ein Blick in den Spiegel zeigt mir einen Efraem, der fast so strahlt wie nach seiner Taufe als Pate Nikos sagte: Efraem you are shining! Froh bin ich über die Begegnung mit dem Heiligen Ephraim im Geiste. Ich bin stolz diesen Namen tragen zu dürfen! So fahre ich seelisch gestärkt nach Hause zu meiner Filareti.

 

Kapitel 2

Heiliger Filaretos der Barmherzige

In dieser Geschichte werden wir Filareti, meine Ehefrau und Pater Filaretos begleiten. Filareti wurde ebenso wie ich als Atheistin erzogen und wurde erst nach dem Wunder vom 17./18.02.2013 zur Christin, zur griechisch orthodoxen Christin, getauft am 17.05.2014 auf der Insel Amorgos. Wer Pater Filaretos ist? Dazu kommen wir gleich.

Wir sind wieder unterwegs. Endlich. Dieses Jahr 2020 war ganz anders als alle Jahre zuvor.

CORONA! Das Gespenst dieser Pandemie geisterte durch die ganze Welt. Es ist immer noch nicht endgültig besiegt aber die vielen Einschränkungen, welche jeder von uns auf sich nehmen musste, haben bewirkt, dass langsam aber sicher das normale Leben zugekehrt ist.

Wir sind also unterwegs, sind auf der Fähre Richtung Kykladen. Heute ist nicht sofort Amorgos unser Ziel, unser spirituelles Zuhause, heute fahren wir nach Schinoussa. Wir schreiben den 29. November 2020. Am 1. Dezember wird auf Schinoussa der Tag des Heiligen Filaretos des barmherzigen begangen. Wir sind verabredet mit Pater Filaretos, den ich aus dem Kloster der Panagia Chozzoviotissa auf Amorgos kenne. Er ist für die Griechisch Orthodoxe Kirchengemeinde auf Schinoussa verantwortlich. Damals als ich Ihn auf Amorgos kennen lernte, äußerte er den Wunsch, meine Filareti kennen zu lernen. Genau das soll heute passieren. Besser gesagt morgen oder am Filaretos – Tag. Gemeinsam werden wir diesen Tag feiern.

 

Die Fähre pflügt an diesem Spätherbstabend durch die Ägäis. Wie immer bleiben wir noch an Deck bis das Tageslicht schwindet nachdem die Sonne zwischen den vorbeiziehenden Inseln im Meer versinkt. Witziger Weise ist CORONA im Angebot  Dieses leichte Bier haben wir diesem Jahr öfters mal getrunken. Schon immer war der Weg auch das Ziel wenn wir Richtung Kykladen gereist sind und schon lange buchen wir für uns eine Kabine. Als es dunkel wird sinken auch schnell die Temperaturen. Wir krabbeln jetzt schnell in unsere Kojen. Kalinichta. Gute Nacht. Erst im Hafen von Naxos werden wir langsam Aufstehen. Sanft rollt die Fähre in der Ägäis und wiegt uns in den Schlaf…

Ich lasse Filaretos von seinem Heiligen erzählen….(das ist der ramen von dieser geschichte und auch die Zeremonie wird beschrieben sowie das Fest.

Anhang / Historische Erklärungen

Buch 1

Zu Kapitel 1

 

Der Heilige Ephraim von Nea Makri lebte vom 14.09.1384 bis zum 05.05.1425.

Das große Römische Reich der Antike war schon lange Geschichte. Unterschiedliche politische Modelle brachte die Zeit hervor. Die auf dem „Stiefel von Italien“ gelegene Republik von Venedig hatte den Zenit Ihres Einflusses in der Aegäis bereits überschritten. Die Osmanen erstarkten und das Byzantinische Reich war nur noch ein Schatten seiner selbst. Griechenland war Teil dieses Reiches und als Staat, als politische Formation, nicht existent aber seine Traditionen erhaltend im späteren Verlauf (wie schon zuvor für die Römer) in der Renaissance in Mitteleuropa kulturell und sprachlich stark Einfluss nehmend. Nicht zuletzt durch die Wiederentdeckung antiker Denkmodelle, welche sich mit auswandernden Griechen/Byzantinern über Mitteleuropa verbreiteten.

Zur Situation:

Griechenland und Konstantinopel im 13. bis 15.Jahrhundert

Quelle: WIKIPEDIA, Artikel: Konstantinopel

  1. Konstantinopel, die Kreuzfahrer und das Byzantinische Reich (Oströmisches Reich)

Das traditionell freundliche Verhältnis der Byzantiner zu Venedig schlug im 12. Jahrhundert unter Manuel I. Komnenos in Misstrauen, Verachtung und Hass um, nicht zuletzt durch die immer wieder auf byzantinischem Boden ausgetragenen Machtkämpfe der Dogenrepublik mit Pisa und Genua. Die Einheimischen empfanden das anmaßende Auftreten der sogenannten „Lateiner“ als Provokation und man betrachtete sich gegenseitig als Häretiker. Die explosive Stimmung entlud sich 1171 in den Lateinerpogromen, als die byzantinische Regierung zuerst den Besitz tausender Venezianer konfiszierte und sie anschließend einkerkerte. Angeblich wurde damals sogar der anschließend zu Verhandlungen angereiste Enrico Dandolo geblendet, doch ist dies fraglich. Trotz einem 1177 beschlossenen Frieden beeinträchtigte das Ereignis dieser Lateinerpogrome die Beziehung zwischen Konstantinopel und Venedig nachhaltig. Im Jahre 1203 nahm ein von Venedig ausgerüstetes und vom Dogen Dandolo geführtes Kreuzfahrerheer die Eroberung Konstantinopels in Angriff, unter dem Vorwand, die dortigen Thronstreitigkeiten zu klären (allerdings ist in der modernen Forschung bestritten worden, dass Venedig wirklich von Anfang an einen Angriff auf Byzanz geplant habe). Kaiser Alexios III. floh vor dem anrückenden Heer, und Isaak II. nahm, eingesetzt von den Kreuzfahrern, (wieder) Platz auf dem Thron. Die Kreuzfahrer blieben trotz „getaner Arbeit“ zunächst in der Stadt und warteten auf die versprochene reiche Belohnung. Als sie eine Moschee entdeckten – es gab ab 718 infolge der Niederlassung arabischer Händler eine muslimische Gemeinde in Konstantinopel – und sie anzündeten, zerstörte der dadurch entstandene Flächenbrand ein ganzes Stadtviertel.

Als Isaak II. sowie sein Sohn Alexios IV. (unter ungeklärten Umständen) starben und ihnen Alexios V. auf den Thron folgte, wurden die Kreuzfahrer der Stadt verwiesen. Diese fühlten sich um die versprochene Belohnung betrogen und beleidigt, sie bereiteten daraufhin einen erneuten Angriff auf Konstantinopel vor. Unter Führung des 96-jährigen 41. venezianischen Dogen Enrico Dandolo, eines erbitterten Gegners des orthodoxen Byzanz, gelang es ihnen am 13. April 1204 gemeinsam mit den Venezianern, die Stadt von der Seemauer am Goldenen Horn her zu stürmen. Anschließend wurde die Stadt drei Tage geplündert. Viele Einwohner der kosmopolitischen Metropole wurden dabei getötet. Zahlreiche Monumente wurden zerstört, großartige Kunstwerke wurden vernichtet oder geraubt, etliche Bibliotheken niedergebrannt und eine große Anzahl der in Konstantinopel aufbewahrten Heiligenreliquien entwendet und über ganz Europa zerstreut. Von dieser Zerstörung und Plünderung durch die Venezianer und Kreuzfahrer erholte sich Konstantinopel im restlichen Verlaufe des Mittelalters nicht wieder.

 

  1. Die spätbyzantinische Zeit und das Vordringen der Türken

Die Kreuzfahrer zerstückelten das Byzantinische Herrschaftsgebiet und errichteten das sogenannte Lateinische Kaiserreich. Dieses hatte nur kurz Bestand, bereits 1261 eroberte ein Söldnerheer des von geflohenen byzantinischen Familien getragenen Kaiserreiches Nikaia die Stadt im Handstreich zurück (→ Rückeroberung von Konstantinopel 1261). Das Byzantinische Reich wurde in vergleichsweise bescheidenem Umfang wiederhergestellt, verlor aber in der Folge immer weitere Gebiete seines Territoriums. Um 1300 hatte Konstantinopel noch etwa 100.000 Einwohner. Seine Rolle als wichtigstes Handelszentrum des Mittelmeers hatte es an die italienischen Hafenstädte, insbesondere Venedig, verloren. Die Italiener unterhielten Handelsniederlassungen im Stadtteil Pera (heute Beyoğlu) auf der nördlichen, europäischen Seite des Goldenen Horns.

 

1326 begann mit der Eroberung Bursas durch Osman I., einen Heerführer eines kleinen türkischen Stammes, der Siegeszug der Osmanen. In rascher Folge eroberten diese ganz Anatolien und Teile des europäischen Festlandes. Byzanz glich bald einer Insel im Osmanischen Reich. Im 15. Jahrhundert bestand es nur mehr aus dem eigentlichen Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern, die Einwohnerzahl sank auf etwa 40.000 ab.

Zwischen vorstehendem und nachfolgendem Zeitraum lebte der heilige Ephraim von Nea Makri!

Mehrere Angriffe auf Konstantinopel blieben erfolglos, bis am 29. Mai 1453 die Stadt unter Mehmed II. unter großen Verlusten eingenommen werden konnte (Siehe auch Belagerung von Konstantinopel (1453)). Die Zahl der Toten wird mit 50.000 angegeben. Die zahlenmäßig weit unterlegenen Verteidiger hielten knapp zwei Monate der Belagerung stand, warteten am Ende aber vergeblich auf Hilfe aus Venedig und Polen (siehe: Schlacht bei Varna). Die Überlebenden wurden mit Ausnahme der Juden und Genuesen deportiert. Diese konnten dank ihrer umsichtigen Haltung während der Belagerung ihren Privatbesitz retten.

Viele Einwohner und Intellektuelle flohen nach Westeuropa und vor allem Norditalien und nahmen dabei viele erhalten gebliebene Kopien antiker Schriftstücke mit. Diese verbreiteten sich durch die ungefähr gleichzeitig erfundene Buchdruck-Kunst schnell in Norditalien und lösten eine Welle der „Wiederentdeckung“ antiker Denkmodelle und Vorstellungen aus. Diese Wiederentdeckung beschleunigte den vielschichtigen Prozess, der heute als Renaissance bezeichnet wird.

 

Mit der Eroberung Konstantinopels endete das Oströmische Reich. Kleinere Landesteile, vor allem Mystras auf der Peloponnes, konnten sich noch einige Jahre halten, wurden dann aber auch erobert.

Inzwischen prägten die muslimischen Herrscher, die Konstantinopel zur Hauptstadt ihres Reiches machten, das Stadtbild vollkommen neu. Zahlreiche Kirchen, deren bedeutendste die Hagia Sophia war, wurden um Minarette ergänzt und zu Moscheen umgebaut.

Ende der geschichtlichen Ausführung